#13: …You Can Leave Your Head On…(1)

(Celebrity Jane)

Liebes Tagebuch,

Edgar behauptet tief und fest, ich sei verknallt. Warum weiß ich auch nicht. Oder vielleicht doch. Seit Tagen renne ich mit einem grenzdebilen Grinsen und auffallend schlechter Laune durchs Call Center. Gerade letzteres ist ein ziemlich starkes Indiz, denn wenn ich verknallt bin, dann unglücklich. Nicht aus konkreten Gründen, aber Verknalltsein macht mich einfach unglücklich. Ich finde das zu anstrengend. Das is’ mir nix: diese ganzen Selbstzweifel, die schlaflosen Nächte und erst die ganze Arbeit, die auf einen zukommt, wenn es dann doch aus Versehen klappt. Ich meine, wie beschäftigt man sich so eine ganze Beziehung lang?

Edgar findet jedenfalls, immer wenn ich amouröse Gefühle hege, sehe ich so aus, als habe man mir gerade mitgeteilt, ich müsse Bambi gleich den Blinddarm entfernen, und zwar ohne Narkose. Und es stimmt wirklich. Ich hab’s überprüft, mich vor den Spiegel gestellt, zuerst mein verknalltes Gesicht gemacht und mir anschließend vorgestellt, Bambi bei lebendigem Leib aufzuschneiden. Kein Unterschied.

Naja, ich mach’s mir auch nicht gerade einfach, ein Fan von romantischen Verbandlungen zu werden. Irgendwas ist immer und meistens bin es ich und meine komische Partnerwahl. Um’s mal dem Zeitgeist entsprechend zu formulieren: Nachhaltigkeit ist anders. Hübsch sind die eigentlich immer, aber scheinbar reicht das nicht für eine längerfristige Kiste. So was verschweigen die einem in Helene Fischer-Songs ja leider immer.

Wie dem auch sei, am Anfang läuft’s immer voll schön, aber dann geht es wieder los und es wird jeden Tag ein bisschen stiller und ein bisschen getrennter. Am Anfang lässt sich das noch ganz gut vertuschen mit hormonellem Nahkampf und so. Kennst du das Tagebuch, wenn man nur rumknutscht, weil man sich ansonsten nichts zu sagen hat? Leider fängt es ziemlich schnell an, negativ aufzufallen und spätestens dann kann man sich vor der richtigen Beziehungsarbeit nicht mehr drücken. Aus vielem unambitionierten Fummeln wird dann viel unambitioniertes Lesen und sich Stichwörter in die Handfläche Schreiben, auf die man heimlich zurückgreifen kann, wenn mal wieder der Gesprächsstoff ausgeht.

Doch auch das bringt einen irgendwann nur noch von einem Tag auf den nächsten und eines Morgens muss man sich dann doch eingestehen, dass man schon wieder in leeren Armen aufgewacht ist. Und schon bald hat man in beiderseitigem Einverständnis eine Beziehung verloren, aber dafür ne Menge persönlich erlesenes Allgemeinwissen dazu gewonnen. Tja, Tagebuch, oder könntest du auf Anhieb den Verbrennungsmotor erklären oder alle Personen aufzählen, die jemals an einem 5.August geboren wurden? Nein? Ich schon.

Jedenfalls hatte ich deshalb eigentlich beschlossen, das mit den realen Beziehungen ein für allemal sein zu lassen und mich stattdessen in die wunderbare Welt der Fabeltierchen entführen zu lassen. Eine Liaison mit einem Fabeltierchen ist eigentlich auch eine ganz normale, gesunde Beziehung wie jede andere, nur führt man sie einfach aus der Ferne und ohne, dass der andere davon weiß.

Qualifizieren für diese Position kann sich übrigens jeder. Vom Schönling (natürlich mit Ecken und Kanten) an der allabendlichen Supermarktkasse über den Arbeitskollegen, dem man tagtäglich „ganz“ zufällig in der Gesindeküche über den Weg läuft bis hin zum King Mom aller Fabeltierchen … naja, Ryan Gosling halt. Wenn man erstmal ein geeignetes Exemplar gefunden hat, dann schippt man es einfach bis obenhin mit allen positiven Eigenschaften der ganzen Welt zu sowie sämtlichen unrealistischen Erwartungen und fertig ist das Fabeltierchen.

Das Schöne ist, dass jene Erwartungen trotz ihrer Überzogenheit nie enttäuscht werden können. Der Trick ist ganz einfach, den Menschen dahinter nie wirklich kennenzulernen – das machen ja viele immer falsch – und stattdessen von Weitem zu schmachten und zu fantasieren. Im Prinzip isses also wie Stalking, bloß mit mehr Romantik und ohne jeglichen Ehrgeiz.

Aber vielleicht sollte ich anderthalb Seiten später mal zum eigentlichen Thema kommen, nämlich zu dem ätzenden Umstand, dass ich mich irgendwo mit Verknalltheit angesteckt haben muss. Es fing alles so harmlos an. Sein Name war Oskar (isser eigentlich immer noch) und er war nur ein ganz gewöhnlicher Probeabonnent. Am Anfang fand ich ihn einfach nur nett, aber im Laufe unseres ersten Telefonats wurde aus nett plötzlich „nett“ und ein einmaliger Anruf führte zu einer hoch frequenten, persönlichen Wiedervorlage, die vor hormoneller Verwirrtheit nur so knistert. Es geht zwar nur um ein Sonntags-Abo zum Studententarif und bringt mir eigentlich kaum Provision ein, trotzdem habe ich begonnen, wo ich nur kann Gründe zu finden, um ein andermal zurückzurufen. Mal überzeuge ich ihn davon, sich das noch mal zu überlegen (ist ja doch ne Menge zu lesen, außerdem gibt’s das ja eh alles online), mal muss ich ganz dringend mal auf’s Klo und jetzt leider auflegen und mal laufe ich gerade zufällig durch eine Tiefgarage und habe plötzlich leider keinen so guten Empfang mehr.

So habe ich im Laufe unserer Gespräche eine Menge Informationen über Oskar angehamstert. Seit fünf Semestern ist er Student der Zahnmedizin. Gut, da ich ja theoretisch selber angehende Hirnchurgin bin, weiß ich, dass diese Menschenhelfernummer so spannend jetzt nicht ist, aber dafür arbeitete er nebenbei in einem großen Elektronikfachmarkt im Steglitzer Einkaufszentrum, und zwahar als Mitarbeiter der CD-Abteilung. Du kannst dir sicherlich vorstellen, was das für mich alten Musik-Nerd bedeutet. Schon auch indirekten Mitarbeiterrabatt, aber vor allem leider: SCHICKSAL. Als er mir dann noch erzählte, dass er verantwortlich für die Auswahl der CD war, die im Hintergrund spielte (Wow, ein Mann mit Macht!), ging mir auch das letzte Argument aus, ihn nicht wahnsinnig interessant zu finden.

Seither hängt mein Headset an seinen Lippen. Fasziniert lausche ich seinen Geschichten, wenn er mir erzählt dass er gerade tatsächlich einen Moment Zeit hat, um mit mir zu sprechen oder dass er schon Interesse hat, aber gerade mitten in der Klausurenphase steckt oder dass er meine Stimme sehr schön findet, wenn ich mal wieder den Verbrennungsmotor erkläre. Ich nicke ab und zu und stelle ein paar gezielte Fragen, sobald es auf die Verabschiedung zugeht: „Hast du Haustiere? Wann kann ich wieder anrufen? Soll ich dir nicht doch noch mal erklären, wie ein Verbrennungsmotor funktioniert?“

So läuft das schon seit Wochen und von mir aus kann das auch noch wochenlang so weitergehen. Doch leider gibt es wie in jeder Geschichte, die ohne schlimme Vorkommnisse ausgehen könnte, auch in dieser ein kleines Teufelchen auf der Schulter, der diesem gewaltlosen Ende unbedingt in die Parade fahren will. In meinem Fall heißt dieses Teufelchen natürlich Edgar Pflaume und war eher ein ausgewachsener Teufel. Vor allem körperlich. So reichte für seine gebärfreudigen Hüften eine einzige Schulter nicht aus, deshalb hockte er gleich auf beiden.

Im Gegensatz zu mir war Edgar ganz vernarrt ins Verknalltsein. Während ich in meiner Panik Schmetterlinge kotze, kann er sich stundenlang damit beschäftigen, verknallt zu sein. Länger hält das sowieso nie an, denn das hat er wiederum mit mir gemein, dass es für den nächsten Schritt, das Verliebtsein, selten reicht. Schon ein kleiner Kratzer an der Oberfläche ist genug und Edgars Euphorie bröckelt wie solide Handlung hinter meinen Geschichten. Schon kleinste Details und seine Schmetterlinge waren wieder verdaut. Einmal sind es die Augenbrauen, die asynchron gebogen sind, ein andermal ist der Handy-Klingelton des Umworbenen einfach zu poppig und wieder wann anders hat der Typ keine Rose von der Bachelorette bekommen und ist so reizlos für Edgar geworden.

Aber – und auch da sind wir uns ähnlich – er quatscht ziemlich viel. Generell ist ne Menge Schmonz dabei, aber dennoch schafft er es am Ende des Satzes immer, ein paar schlaue Sachen zu sagen, die einen dazu bringen, doofe Sachen zu machen. Doof, weil in der Regel riskant. Ich kann mich auch nicht mehr genau daran erinnern, was er diesmal schon wieder alles erzählt hat, ich weiß nur, dass er es wieder geschafft hat, mich zu einem Tänzchen auf dem Vulkan zu überreden. Ja, Tagebuch, ich habe einen Entschluss gefasst. Ich gehe shoppen. Und zwar ins Einkaufszentrum von Steglitz.

Herzallerliebst und to be continued, Celebrity Jane Schröder…

PS: Übrigens sind wir schon länger auch auf Facebook mögbar. *zwinker zwinker

http://www.facebook.com/SchlechterSexUndDosenbier

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