#05 …Play It Again, Celebrity Jane…

(Celebrity Jane)

 

„Einen wunderschönen guten Tag, mein Name ist Frau Schröder. Ihr Probe-Abonnement endet in wenigen Tagen und da wollen wir Sie doch nicht gehen lassen, ohne vorher noch mal ein schönes Angebot gemacht zu haben.“ – Würde Elton John diese Zeilen hören, liebes Tagebuch, so sagte er wahrscheinlich: „Celebrity Jane, this is your song!“ und leider hätte er auch noch Recht damit. Genau das ist nämlich der Wortlaut, den ich Tag für Tag an die sechzig Mal ins Headset zwitschere, mal höher, mal tiefer, mal erfolgreicher, meistens unerfolgreicher. Mache ich mir nichts vor: mein Job ist monoton und langweilig, und zwar so monoton und langweilig, dass ich manchmal selbst die NSA in der Telefonleitung Sudoku spielen höre.

Das war irgendwie nicht so geplant. Zwar hatte ich ja bereits erwähnt, dass Berühmheit einfach nichts für mich ist. Nicht weil ich zu bescheiden oder zu würdevoll oder so was wäre, aber mein Vorname ist einfach zu bekloppt, als dass ich noch mehr Menschen brauche, die sich darüber lustig machen. Dennoch war ich so ganz ohne Glamour auch nicht wirklich glücklich und fühlte mich immer mehr wie eine verhuschte, ungeschehene Bleistiftskizze auf Gottes Reißbrett.

Aus nachvollziehbaren Gründen entschied ich mich deshalb für das Studium der Hirnchirurgie. Argument Nummer eins war, dass sich mein Name innerhalb von nur ein paar Semestern von Celebrity Jane in Frau Doktor verwandelt haben dürfte, Argument Numero Zwei lag ebenfalls auf der Hand. Ich sage nur: OP-Mundschutz. Mit dem wäre es mir ohne Weiteres möglich, auch unerkannt Karriere zu machen. Essen und Zähneputzen müsste ich halt heimlich und alleine,aber ansonsten…

Leider sollte sich das schon bald als wesentlich problematischer herausstellen. Zuallererst brauchte ich wirklich ewig, bis ich mal rausgefunden, dass es nicht Hirn- sondern Neurochirurgie hieß (wahrscheinlich wieder so ein neumodischer Hipstersprech) und in Kürze – wer hätts es gedacht – war sie mir schon wieder im Wege: diese angeborene Niedlichkeit. Natürlich vermutete hinter diesem Stupsnäschen und den Grübchen niemand diese herausragende  Medizinerin mit dem skalpellscharfen Verstand wie meinem. Stattdessen hielten mich alle für das Maskottchen der Kinderstation und schickten mich dauernd in die Pädiatrie. Diese wurde während des Mittagsschlafs immer von außen verschlossen, danach war Kaffeetrinken angesagt und anschließend die Singstunde eröffnet.

Das ließ für Operationen nicht mehr viel Zeit, vielleicht auch besser so, denn die stellten sich als wesentlich langweiliger heraus, als ich mir das vorgestellt hatte. Der Job bot ja wohl null Potenzial für Kreativität und Improvisation. Ich meine, welcher fantasielose Spießer hat denn bitteschön beschlossen, dass die Gehirnhälften immer ausgerechnet nebeneinander liegen müssen? Zudem konnten die Kommilitonen meiner erfrischenden Ehrlichkeit auch nicht gerade viel abgewinnen („Meine Güte, selbst mein Blinddarm ist hübscher als dieser Hippocampus.“)

Tja, und da beschloss ich das Studium ad acta zu legen und mich neu zu sammeln. Wie wir alle wissen, hatte ich mich im Zuge dieser Suche nach mir selbst aber leider wieder im Call Center verbummelt. Aber wie sagt man so schön: Solang’ die dicke Frau noch singt, ist die Oper nicht zu Ende. Und während mir Edgar im Hintergrund die neue Durchstell-Melodei unseres Bestellservice’ vorsummte (haha), rang ich mich dazu durch, meinen großen Traum anzugehen und das kreativste und verrückteste Studium von allen anzupeilen, nämlich BWL.

Schon als Kind hatte ich davon geträumt und im Laufe der Jahre einen beeindruckenden Katalog von Geschäftsideen angesammelt. Naja, eigentlich waren es nur drei und auf die wäre ich ohne Edgar auch nicht gekommen und wenn wir ganz ehrlich sind, sind sie auch nicht gerade erfolgversprechend. Unsere erste Idee untermauert unseren großen Wunsch, auch ein Teil des allgemeinen Castingwahns zu werden, drum feilen wir schon lange an einem Kochbuch „Watte braten – Rezepte für Models oder die, die leider nur so aussehen“. Um das zu finanzieren greift die zweite Idee, nämlich an der Berliner Friedrichstraße Rollmops an ausländische Touristen zu verkaufen, und zwar unter der Bezeichnung ‚Friesensushi’.

Die dritte Idee ist noch relativ jung und kam mir, als ich im Reiseteil unserer Zeitung wahrscheinlich als eine der letzten von einem Tier namens Fleckenmusang las. Dieses poussierliche, katzenartige Wesen verbrachte seinen Arbeitstag damit, Kaffeebohnen zu verdauen, die anschließend als teuerster Kaffee der Welt verkauft werden.

Geistesgegenwärtig reagierte ich, verließ meinen Arbeitsplatz – natürlich nicht ohne vorher noch ne Rolle Klopapier mitgehen zu lassen – und machte mich auf in den nächsten Discounter, um ein Töpfchen Basilikum zu erwerben. Mit dem stapfte ich trunken vom baldigen Erfolg zu Edgar, der an diesem Tag frei hatte. Denn in Edgars Butze bzw. auf seinem Fensterbrett wohnte es, unser Geldeselchen, unser güldenes Kalb, unser kleiner rosa Elefant, nämlich Viktoria-Amos, Edgars Katze. Diesen Namen hatte er ihr verpasst, weil er schon immer sagen wollte, er kenne Tori Amos, die bekannte Pop/Rock-Sängerin, persönlich. Erst später erfuhr er, dass das nur ein Künstlername war. Aber so schlimm war das auch nicht, schließlich hieß Viktoria-Amos ursprünglich auch ganz anders.

Aber ich schweife ab, wir hatten Basilikum, wir hatten ne Katze … wenn wir jetzt noch ein paar leere Gurkengläser fanden, konnte uns nichts und niemand mehr davon abhalten, das teuerste Pesto der Welt herzustellen, das uns unter dem Namen „Viktorias Geheimnis“ reich machen würde. Die Gläser waren übrigens schnell gefunden, aber seitdem warten wir, dass die Katze endlich mal was von dem Goldstaub blicken lässt. Vielleicht hatten wir es mit dem Parmesan doch etwas zu gut gemeint.

Wie du dir nun denken kannst, wird’s also noch ein bisschen dauern, bis ich das Geld für das BWL-Studium zusammenhabe, bis dahin geht die Saure Gurken-Zeit wohl auf unbestimmte Zeit weiter.

In diesem Sinne herzallerliebste Grüße von Celebrity Jane.

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